der Schnauzer / Artikel aus der PUS

Der Schnauzer
(aus: "Kurzweiliger Hundespiegel" vom Gottfried Stein, 1958 - gefunden von B. Bischoff)
erschienen in der PUS Februar 2008

"Er war ein Plebejer", schreibt Richard Strebel in seinem Standardwerk "Die Abstammung", und das mag erklären, warum sich bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts weder eine literarische Würdigung noch eine zuverlässige bildliche Darstellung des Schnauzers findet. Gleichwohl nennen die Forscher die Rasse uralt und sehen in ihr einen Nachkommer des vorgeschichtlichen Torfhundes, der auch "Pfahlbauspitz" genannt wird. Der Schnauzer führte das namenlose Leben der kleinen Leute; er war nichts weiter als nützlich und anhänglich.
Schnauzerfreunde haben Grund, sich über die nie besungene Vergangenheit der Rasse zu freuen, ist sie doch ein Zeichen von Gesundheit und Stabilität. Was hätten auch die vornehmen Herren mit diesem derben, struppigen Ruppsack anfangen sollen! Jagdhunde brauchten sie, und zur Repräsentation umgaben sie sich mit Doggen und Windhunden. Der Schnauzbart, urwüchsig, rauh und kantig, hatte sein Heim in der Kneipe, beim Kutscher, im Pferdestall. Er liebte die animalische Wärme, bellte den Fremden an und stellte den Ratten nach. Das ist nicht aristokratisch, aber nützlich. Rattler hieß er in seiner süddeutschen Heimat, in Norddeutschland nannte man ihn Pinscher. Das ist einer, der fest zupackt., nichts vermochte den Gang der Jahrhunderte an ihm zu ändern; die Moden gingen an ihm vorüber. Wer ihn mit Verstand paarte, wünschte bei der Nachkommenschaft Wachsamkeint, Ausdauer bei Ritt und Fahrt dazu Schärfe bei der Rattenjagd. Wie es heißt, importierten Engländer gute Draufgänger und machten aus der Rattenjagd eine Sensation, bei der das Publikum wetten konnte. Tiny, ein Rekordjäger von nur fünf Pfund Gewicht, woll in seinem Leben fünftausend Ratten erlegt haben.
Inzwischen hat sich die soziale Stellung des Schnauzers gehoben. Er darf sich in der guten Stube aufhalten und auf dem Sofa schlafen. Hinter den Nagern her zu sein, haben die meisten nicht mehr nötig. Mit dem roten Halsband geziert, werden sie spazieren geführt und leben zum großen Teil um der Gemütswerte willen. Natürlich kann man sich heute mit ihrem kräftigen und schneidigen Exterieur überall sehen lassen, auf den nobelsten Straßen so gut wie auf der Ausstellung.
Es war der Begründer des Dresdner Botanischen Gartens, Heinrich Gottlieb Ludwig Reichenbach, Verfasser eines 1835 erschienenen Hundebuches, der die neuzeitliche Schnauzerlaufbahn eröffnete, indem er den Plebejer zum erstenmal einer wissenschaftlichen Systematisierung würdigte und die glatthaarigen Pinscher von den rauhaarigen - das sind die Schnauzer - unterschied. Die Wirkung blieb nicht aus und begann damit, daß des Kynologen und des Sportzüchters Auge mit Wohlgefallen auf dem Stall- und Kutscherhund ruhte.
Gab es da nicht interessante und lohnende Arbeit, wo es galt, das Durcheinander von Farben und Größen, von Haararten und Gestalten züchterisch zu ordnen? Das Schwabenland lieferte die Stämme gesundes Blut und ausdauerndes Gemüt.
Ob der Erflog die Bemühungen rechtfertig? Er hat das Treuherzig-Biedere klassisch gemacht. Seht diesen wackeren Schnauzbart inmitten modischer Kuriositäten, neben hochnäsigen, romatischen Exoten! Mit welch inbekümmerter Sicherheit er im groben Pfefferundsalz-Kleid seinen derben Schneid zur Schau stellt! Als protestiere er gegen die Attribute der Eleganz, als wolle er der Tugenden wegen geschätzt werden, die er aus seiner schlichten Vergangenheit mitbringt. Ein gutes, bisweilen selbst weiches Gemüt ist ihm eigen. Spricht es nicht aus seinen großen, vom Haargestrüpp umwachsenen Augen?
So etwas verlangt nicht nach harter Dressur. Der Schnauzer braucht nur einen verständigen Herrn, um ein ordentlicher Schnauzer zu sein. Wer ihn strafen muß, tue es mit Besonnenheit. Meist genügt der Verweis, um dem Guten zum Siege zunverhelfen. Es unterstützt ja auch beim Hund die Erfahrung die Einsciht, und der Schnauzer ist klug, wenngleich doch nicht vielleicht so sehr, daß er den Wert des Geldes zu würdigen weiß und sich, wie Brehm berichtet, die nötigen Münzen verschafft, um sich 'ne Wurst zu kaufen. Vielleicht war es nur ein Scherz, vielleicht aber auch mehr, wenn man den Schnauzer am Anfang seiner kynologischen Laufbahn und auch noch später den deutschen Nationalhund nannte, ganz gleich aus welchen tieferen Grund. Aber er erfreute sich damals großer Sympathie in allen Gegenden unseres Landes, er tut es noch heute, wenngleich das große Angebot an Stil- und Modehunden der Beliebheit des Schnauzbarts Abbruch tat. Dafür haben sich aber französische, englische und amerikanische Hundezüchter gute Zuchttiere aus Deutschland geholt. Es hatten unsere Züchter allerdings dafür gesorgt, daß der Schnauzer in Farbe und Größe mancherlei Geschmack zusagte.  Es gibt ihn nicht nur im pfefferundsalzfarbenen Kleid, sondern auch im tiefschwarzen und neben dem alten mittelgroßen Schlag steht mit fünfunddreißig Zentimetern Schulterhöhe der Zwerschnauzer, ein keckes Bürschlein mit allen charaterischen Eigenschaften der Rasse. Schließlich wird deuter Vorliebe für den wackeren Volkshund auch das Auftreten des jüngsten Schnauzerschlags, des Riesenschnauzers, verdankt. Fünfundsechzig Zentimeter misst er. Bayern ist sein Heimatland. Findige Leute daselbst sagen sich, es müsse einem ihrer alten, bodenständigen Teibhunde, die von Bauern und Metzgern zm Viehtreiben benutzt wurden, der quadratische Körperbau des Schnauzers und sein buschiger Bart nicht übel stehen. Und so ist es jetzt fast ein halbes Jahrhundert her, daß der bayrische Teiber schnauzerisch standardisiert wurde. Was das bedeutet, sagt die Forderung der Fachleute, die Adel und Schneid verlangen. Vor allem, heißt es, seien die Münchner stolz auf den Schnauzerriesen und sie gaben ihm auch Namen wie Münchner Schnauzer, Bärenschnauzer und Bierschnauzer mit auf die erflogreiche kynologische Laufbahn. Dergleichen ist natürlich nichts fürs Kanapee oder was inzwischen an seine Stelle trat. Dergleichen braucht Arbeit, Muskeltrainig, einen handfesten Daseinszweck, zum Beispiel im Dienst der Plolizei. Sie zählt den Riesenschnauzer denn auch zu ihren Rassen.
Blättert man in alten Witzblättern, in der Tat gehen da unseren wohlgenährten Landsleuten meist Schnauzer und Dackel zu Seite. Aber das ist ja auch schon lange her.

Vielen Dank, für diejenigen die es bis hier geschafft haben. Ich fand den Artikel persönlich sehr gut und würde es als eine Liebeserklärung für den Schnauzer sehen. Deshalb habe ich diesen Artikel hier eingestellt. Von 1958 - 2008 hat sich natürlich in der Entwicklung des Schnauzers viel getan. In dieser Zeit entstanden die Farbschläge schwarz - silber und weiß bei dem Zwergschnauzer. Und die Farbe schwarz bei den Mittelschnauzer ist auch sehr beliebt geworden.

 

 

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