Entstehung der Zwergschnauzer

Entwicklung des Zwergschnauzers

Wie die glatthaarigen Pinscher wurde die Rasse ihre rauhaarigen Vettern in rauhaarige Pinscher und rauhaarige Zwergpinscher eingeteilt. Bungartz nennt in seinem Handbuch zur Beurteilung der Racen-Reinheit des Hundes von 1884 die Rassemerkmale des rauhaarigen Zwergpinschers wie folgt:
„Der rauhhaarige Zwerg- oder Affenpinscher.
Der Affenpinscher ist eine Zwergform des grossen Rattlers unterscheidet sich von diesem nur wenig. Sein Gewicht soll 31/2 Kilo nicht überschreiten, die Behaarung ist weicher und um das Auge kranzförmig, die Farbe ist ebenso wie beim vorigen. Der Kopf ist weniger gestreckt, der Oberkopfhöher gewölbt und der Schnauzentheil sehr kurz mit etwas vorstehendem affenartigen Unterkiefer. Diese Hündchen sind als Schosshündchen und Stubengefährten besonders bei der Damenwelt sehr beliebt.“

Bei dieser Beschreibung handelt es sich zweifelsfrei um die des Affenpinschers, eine Beschreibung des Zwergschnauzers als rauhaarigen Zwergpinschers gib es noch nicht. Erst Beckmann, er hat federführend bereits an den ersten Rassemerkmalen mitgewirkt, teilt diese Rasse in seinem 1895 erschienenem Werk „Die Racen des Hundes“ wie folgt auf:

a) Der Affenpinscher (alter rauhhaariger Zwergpinscher
b) ) der neue rauhhaarige Zwergpinscher oder Zwergrattler

Zum neuen rauhaarigen Zwergpinscher liefert er die folgende Beschreibung:
„Die officiellen Rassezeichen des rauhhaarigen deutschen Zwergpinschers oder Zwergrattlers lauten, soweit sie nur diesen betreffen:
„Diese Rasse soll mit Ausnahme der Größenverhältnisse in jeder Beziehung namentlich der Kopfbildung und der Behaarung (auch des Oberkopfes) dem großen rauhhaarigen Pinscher gleich und gewissermaßen nur die Verkleinerung desselben sein. Gewicht nicht über 3,5 kg.“
Gegen die Bestimmung der erst in neuerer Zeit entstandenen oder richtiger angestrebten Rasse des Zwergrattlers läßt sich ja nichts einwenden, dagegen ist es schwer verständlich, warum man zu Gunsten dieser neuen erst zu fixierenden Rasse unseren alten weit originelleren Affenpinscher mit ersterem zusammengeworfen und als eine ziemlich überflüssige Varietät in einem Nachsatz jener officielllen Rassezeichen hingestellt hat! Die natürliche Folge wird doch sein, daß unsere Züchter nicht wissen, ob sie den Affenpinscher überhaupt noch züchten sollen und ihn zuletzt völlig vernachlässigen statt diese alte deutsche Rasse gegen die gefährliche Concurrenz des Belgischen Griffon Bruxellois durch Reinzucht zu schützen, und wie es hier geschehen als besondere Rasse neben dem neuen Zwergrattler in den officiellen Rassezeichen wieder aufzuführen.“

In dem im gleichen Jahr gegründetem Pinscherklub hat man zu diesem Zeitpunkt noch nicht an einen Zwergrattler als verkleinertes Abbild des Schnauzers gedacht.

Diese Rassemerkmale klingen sehr hübsch, aber wie war es tatsächlich um diese Rasse bestellt? In dieser Klasse fanden sich rauhaarige und seidenfarbige Affenpinscher und Zwergaffenpinscher , neben denen zuweilen auch noch je eine Klasse für weichhaarige Zwergpinscher und Affenpinscher par excellence vorkam, Material, dem man ratlos gegenüber stand. Die damaligen Zwergschnauzer waren also kleinwüchsige Affenpinscher. Berta redet von »Kreaturen mit einem Körper ohne Mark und Bein.
Die Grenze zwischen der rau- und seidenhaarigen Art war kaum erkennbar, und die tollste Willkür herrschte unter den Ausstellern und Richtern. Immerhin war der rauhaarige wie seidenhaarige Zwergpinscher längst legitim und im Kurs, bevor der Pinscherklub erstand.
Unklar war, wie von Beckmann bereits angesprochen, ob der rauhhaarige Zwerg wieder als ein ganzer Kerl, in rauer Form, mit geraden Knochen, gesundem Temperament in Erscheinung tritt, gleichgültig, ob der Zwergschnauzer die letzte Phase seiner Entwicklung ist, oder ob dieser sich selbständig neben ihm behauptet.

Das Bestreben des Pinscherklubs war es aber den Affenpinscher, der in seinem in seinem ursprünglichen Typus gänzlich zu verschwinden drohte, zu rekonstruieren, der große Affenpinscher blieb hierbei allerdings auf der Strecke. Man besann sich wieder auf die alte echte Form und den Zwergschnauzer zu formen, der es einfacher hatte, konnte er sich doch auf ein fertiges Vorbild berufen und nach diesem Modell geschaffen werden. Trotzdem war es keine leichte Aufgabe, aus den verschiedenen Formen, Größen und Typen und dem Wirrwarr der harten, weichen und seidigen Haarstrukturen einen Kleinhund zu schaffen, der dem Exterieur und den Wesensqualitäten seines größeren Bruders, dem Schnauzer voll entsprach.
So erschienen denn die beiden Formentypen vereinzelt immer nur gelegentlich in mehr oder weniger klaren Zufallsprodukten an Ausstellungen und waren um die Jahrhundertwende in völligem Zerfall. Damals begegnete Bertas Richtertätigkeit in Affenpinscherklassen zusammengewürfelt verschiedenartigsten unklaren Typen, die weder das eine noch das andere waren und dem Werdegang des großen Schnauzers entsprechend, fing er an, aus dem Formenwirrwarr des rauhaarigen Zwergpinschers diejenigen herauszuheben, "die in ihrem Stil und ihrer Körperlichkeit dem gedachten Zwergschnauzerbild nahe kamen.

Im Sommer 1897, hatte Berta die Schoßhunde der Erfurter Ausstellung zu richten. Unter den vorgestellten Affenpinschern Berta fand Berta 2 die er bisher vergeblich gesucht hatte und wollte, gesunde Zwerge, gerade Knochen, dichtes, straffes Haar, Temperament in Ausdruck und Haltung. Der Rüde, etwas groß und kräftig, die Hündin einfach sein Ideal! Affenpinscher in obiger prägnanter Bedeutung waren es nicht, Behaarung und Kopfform erinnerten mehr an den Schnauzer.
Jetzt erst war seine scharfe Differenzierung möglich! Was dem Zwergschnauzer eigentümlich war, kam beim Affenpinscher außer Betracht. Man besann sich wieder auf die alte echte Form
Vermutlich in Frankfurt, so um 1899 herum, kam der Name Zwergschnauzer zum ersten Male ausstellungsoffiziell.. Jocco-Fulda hatte es wohl fertig gebracht, ein damals rühmlichst bekannter Hund, der in Figur, Kopf, Behaarung, Wesen das verkleinerte Bild des Schnauzers bot. Wer diesen Hund sah, musste ihn bewundern und gelten lassen.

Auf Bertas Betreiben hin wurden ab 1899 auf Ausstellungen gesonderte Klassen für rauhhaarige Zwergpinscher und Affenpinscher geführt; die Geschichte des Zwergschnauzers hatte begonnen.Iin Band II des Pinscher-Zuchtbuches (1903) finden wir erstmalig den Affenpinscher als getrennte Rasse aufgefuhrt.Das Hauptaugenmerk war auf die Herauszüchtung nur bester Kopfformen mit richtigem Typ zu legen, denn die Kopfform unterschied den Zwergschnauzer ganz wesentlich von seinem Halbbruder dem Affenpinscher. So wird die saubere Trennung der Rassen offenkundig und weg sind damit die Fragen: "Was sind Zwergschnauzer, was Affenpinscher?" - " .

Die klare Trennung der neuen Rasse vom alten Affenpinscher war eine der Hauptsorgen der damaligen Züchter. Aber auch den Zuchtrichtern bereitete diese Aufteilung Probleme. Auf einer Münchener Ausstellung wurden die besten der Affenpinscher gezeigt . Alle waren stolz auf diese Parade, wollte man doch dem Auswärtsrichter das Beste der Rasse vorführen. Doch das Urteil war vernichtend, weil der Richter erklärte: Was Sie mir da vorführen, sind keine Affenpinscher, es sind lauter schlechte Zwergschnauzer«. Einige Aussteller waren darüber dermaßen verärgert, dass sie der Affenpinscherzucht den Rücken kehrten und ihre Tiere verkauften. So kam z.B. die Hündin »Bella Isaria« nach Hamburg, wo sie auf einer Ausstellung unter J. Berta die höchsten Auszeichnungen erhielt.

Machen wir einen Sprung in der Entwicklung des Zwergschnauzers und betrachten die bekannte Zucht in Ostpreußen. Welch große Bedeutung diese Zucht hatte macht J. Berta deutlich. in einem Richterbericht lobte er 1927 diese mit den Worten »Gegen die beiden Zwinger Baltischhort und Abbagamba kann das gesamte Zuchtgut des Reiches nicht aufkommen. Der Zwinger Baltischhort, deren Zuchtmaterial sich auch der Zwinger "Abbagamba" bediente, schuf sich vorerst aus örtlich vorhandenem verschiedenartigem Kleinpinschermaterial einen gesunden, in seiner Körperlichkeit wohlabgewogenen, richtig behaarten Kleinschnauzer von gegen 35 cm Schulterhöhe. Als Stammtiere sollen gedient haben eine rote Affenpinscherhündin, eine hellgelbe kleine schnauzerhafte Hündin vom örtlichen größeren Affenpinscherschlag, eine glatthaarige schwarzbraune Pinscherhündin und ein kurzstockhaariger elchfarbener Pinscherrüde. die beiden letzteren ca. 35 cm hoch. Dem hieraus entstandenen und untereinander wieder verkreuzten Kleinschnauzermaterial wurde dann zwecks Typveredlung und Größenreduzierung Chcmnitz-Plauen-Blut und auch das damit verwandte Zizlmannblut beigemischt. Durch weitere Verkreuzung der erlangten verschiedenen verwandten Stämme untereinander und zielklare Auslese der Stammhalter schuf dann Dr. Frommer, der seine Zucht von der Dr. Lackners löste, den an rassiger und typischer Vollkommenheit einzigartig dastehenden Baltischhortstamm. Ohnehin sollen Zwergpinscher zur Verbesserung der Kopfform in die Zwergschnauzerzucht hier eingeflossen sein.

Mit diesem Abstecher beende ich meinen kleinen Exkurs, der doch umfangreicher geworden ist als beabsichtigt. Ich hoffe ich konnte aber deutlich machen, dass der Zwergschnauzer keinesfalls aus dem Schnauzer heraus gezüchtet wurde.

 

Quelle: Text mit Erlaubnis von @rufus aus dem www.schnauzer-pinscher-portal.de

Der Schnauzer als Rattenfänger in alten Zeiten

 

 

Rattenfängerprüfung von 1902 mehr.....

Rattenfängerprüfung von 1929 mehr.....

 

Rattenfängerprüfungen wurden nicht nur vom PSK durchgeführt sondern auch von anderen Vereinen, beispielsweise:

1913 Kynologischer Verein Gera (Ratten- und Hamsterfängerprüfung
1932 Verein der Hundefreunde Ludwigshafen 1903 e.V
1922 Hundefreunde Sindelfingen e.V.
Diese Prüfungen waren für alle Hunderassen offen.

Wie ernst sie genommen wurden zeigt ein Artikel in der Zeitschrift Zwinger und Feld vom (Offizielles Organ der Deligierten Kommission und wird zugleich vom Schnauzer-Klub, Sitz München, für Vereinsmitteilungen genutzt).

Zitat:

„Der Hinweis in Heft 16 unserer Zeitschrift, den Schnauzer für Gebrauchszwecke einzarbeiten, hat uns zahlreiche Anerkennungsschreiben von Schnauzerfreunden eingebracht, zugleich aber auch die Mitteilung, daß der Schnauzerklub früher bereits den Weg der Rattenfänger-Prüfung beschritten, aber über die ersten Anfänge nicht hinweggekommen ist. "Als wir dann 1909 zum erstenmal – auch für München – ein Rattenwürgen veranstalteten, da ging ein Kesseltreiben gegen uns los, post festum, in der Tagespresse und von dieser übernommen in der Fachpresse“, heißt es da wörtlich. Verwunderlich erscheint das durch aus nicht. Wenn ein altes Huhn ein Ei gelegt hat, dann gakelt in der Regel der ganze Hühnerstall mit, aber man darf sich dadurch nicht beirren lassen. Zum Ueberdenstockspringen ist der schöne deutsche Hund doch wirklich zu schade. Liegt auch nur der geringste Grund vor, die Schärfe an ihm nicht auszubilden? Man schätzt sie doch über alle Maßen bei dem Schnauzer ähnlichen englischen Foxterrier. Zugegeben, daß ein Rattenwürgen für zartbesaitete Naturen gerade kein erfreulicher Anblick sein mag; das Fuchs- und Katzenwürgen bei den Gebrauchsprüfungen für Vorstehhunde ist es ebenfalls nicht. Trotzdem erscheinen solche Übungen nötig – der Zweck heiligt die Mittel -, und zum Nachteil wird der Rasse die Schärfe sicher nicht gereichen.“

Nicht verwechseln darf man diese Prüfung mit dem Rattentöten bei Schauwettkämpfen die auch in England großen Anklang fanden. Hier ist der berühmte Pinschers Billy zu nennen, von dem erzählt wird, dass man auf ihn wettete — er tötete 100 große Ratten in 8 ½ Minuten.

 

 

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