was ist der AKC?

Der Schnauzer und seine Vereine

Wenn man sich das erste Mal dazu entschließt, einen Rassehund beim Züchter zu kaufen, trifft man sehr schnell auf ein typisch deutsches Phänomen: die Vielfalt der deutschen Hundezuchtvereine. Vielleicht ist ja die Vorliebe zu Vereinsgründungen typisch deutsch, aber so ganz falsch ist es ja nicht, dass man gemeinsam mit anderen Menschen ein Ziel leichter erreicht als alleine. Und das Ziel eines jeden Rassehundevereines ist, zumindest laut Vereinssatzung, die Zucht gesunder und rassetypischer Rassehunde. Bekanntlich führen viele Wege nach Rom und so ist es auch bei Hundezüchtern. Es gibt viele unterschiedliche Meinungen darüber, wie man am besten den supertollen, gesunden und typischen Rassehund züchtet. Je genauer man das schriftlich niederschreiben und dann auch anderen vorschreiben möchte, desto mehr Menschen wird es naturgemäß geben, die eine davon abweichende, andere Meinung haben. Die werden dann Dissidenten genannt. Sie werden sich jetzt vielleicht fragen, was das mit ihrem Vorhaben des Welpenkaufs zu tun hat, aber sie werden im Weiteren gleich sehen, dass die Frage nach Dissidenz und allgemeiner Anerkennung in der Welt der Hundezucht eine entscheidende Rolle spielen.

Weltweit gibt es ein paar wenige Verbände, die eine internationale Bedeutung in der Hundezucht haben. Natürlich gehört dazu der älteste und sehr ehrwürdige Zuchtverband von Großbritannien - DER Kennelclub (KC). Auch heute noch hat die einmal pro Jahr stattfindende, weltweit größte Hunde-Show des KC, meist nur 'Crufts' genannt, eine überrragende Bedeutung und jeder Züchter ist sehr stolz darauf, wenn einer seiner Hunde zur Crufts eingeladen wurde. Der KC führt natürlich Zuchtbücher und registriert dort die Welpen der Rassehunde. Jeder reinrassige, in Großbritannien geborene Welpe von Eltern mit belegter Abstammung wird registriert und der KC sieht es nicht als seine Aufgabe an, die Züchter in ihrer züchterischen Tätigkeit zu kontrollieren. Das ist hier alleine die Verantwortung der Züchter und Welpenkäufer.

Nach ganz ähnlichem Muster sind die großen Zuchtverbände in Kanada und den USA gestrickt. Der American Kennel Club (AKC) und der Canadian Kennel Club (CKC) sind nicht nur Registrierstellen, die Zuchtbücher führen, sondern Rassestandards aufstellen und Shows veranstalten. Auch hier käme niemandem in den Sinn, dass es Aufgabe der Registrierstellen sein könnte, sich dafür zu interessieren, wie Züchter die Qualität ihrer Zuchthunde beurteilen. Natürlich verpflichtet sich jeder Züchter einem Code of Ethics, d.h. einer Art moralischen Absichtserklärung, nur mit gesunden Hunden zu züchten, aber die Nichteinhaltung wird nur in wirklich sehr schweren Fällen geahndet und muss zuvor von irgend jemandem gemeldet werden.

In Europa gibt es natürlich einen entsprechenden Verband, dessen Sitz, wie der des Europaparlaments, in Belgien ist. Die Fédération Cynologique Internationale (FCI) führt jedoch im Gegensatz zu den Rassezuchtverbänden AKC, CKC und KC keine eigenen Zuchtbücher, sondern gibt nur gewisse Grundbedingungen vor, auf die sich die hauptsächlich europäischen nationalen Rassezuchtverbänden geeinigt haben. Solch ein nationaler, an die FCI angeschlossener nationaler Verband ist der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH). Eine Besonderheit der FCI ist, dass es in jedem Land nur einen nationalen Verband geben darf, der dort die FCI vertritt. Das ist in den meisten Ländern auch gar kein Problem, weil die nationalen FCI-Verbände in den meisten Ländern ganz ähnlich funktionieren wie der KC oder der AKC.

Eine etwas andere Situation findet man in den deutschsprachigen Ländern, vor allem in Deutschland. Der VDH führt keine Zuchtbücher, sondern hat diese Aufgabe den Rassezuchtvereinen übergeben. Der VDH gibt den Rassezuchtvereinen nur gewisse Rahmenbedingungen vor, d.h. eine Art Mindestvoraussetzung für alle dem VDH angeschlossenen Vereine.



FCI-Ahnentafeln sind grundsätzlich mit dem FCI-Emblem versehen

Die genaue Ausarbeitung der Zuchtordnung, nach deren Regeln dann im Verein gezüchtet wird und auch die Eintragung in die Zuchtbücher stattfindet, liegt in den Händen der Rassezuchtvereine. Vom Grundgedanken her ist dies gar keine dumme Idee, denn dadurch haben die Rassezuchtvereine die Möglichkeit, den Züchtern vorzuschreiben, sich an eine rassespezifische Zuchtordnung zu halten, das zu kontrollieren und auch durchzusetzen. Der Pinscher-Schnauzer-Klub 1895 e.V. (PSK) schreibt seinen Züchtern z.B. vor, dass nur Hunde verpaart werden dürfen, die vom Verein die Genehmigung dafür haben, der Wurf wird 2 Mal von einem Zuchtwart begutachtet und der Züchter muss Weiterbildungen zum Thema Hundezucht nachweisen.


Zusätzlich zum FCI-Logo trägt die Ahnentafel eines im VDH gezüchteten Hundes das VDH-Logo

Auch hier wieder vom Grundgedanken her sicher richtig, wenn jetzt nicht der menschliche Faktor eine große Rolle spielen würde. Nicht jeder fühlt sich von den Funktionsträgern gerecht behandelt, es gibt unterschiedliche Meinungen zur Hundezucht und darüber, wie man ein Ziel erreichen kann, gibt es meist auch verschiedene Vorstellungen. Die Folge davon ist in Deutschland, dass es eine kaum überschaubare Zahl von Dissidenz-Vereinen gibt, die nicht dem VDH angeschlossen sind und die vom VDH auch nicht anerkannt werden. Nun, was bedeutet diese Anerkennung? Warum würden es viele Nicht-VDH-Vereine begrüßen, wenn ihre Papiere vom VDH anerkannt wären?

Der Grund ist ganz einfach: Die großen Verbände FCI, AKC, KC und CKC haben Vereinbarungen, nach denen sie gegenseitig die Ahnentafeln sowie Show- und Prüfungsergebnisse anerkennen. Ein amerikanischer Labrador Retriever mit AKC-Papieren kann hier in Deutschland auf den großen, von der FCI veranstaltetene Shows problemlos ausgestellt werden und wird auch jederzeit ins Zuchtbuch des entsprechenden Rassezuchtvereines aufgenommen. Es wird also kein Unterschied gemacht, ob der Hund in den USA oder in Deutschland geboren wurde, obwohl die Züchter unter völlig unterschiedlichen Voraussetzungen züchten. Diese Möglichkeit hat der Besitzer eines Hundes in der Regel nicht so einfach, wenn der Hund in Deutschland bei einem Züchter geboren wurde, der in einem nicht vom VDH anerkannten Verein züchtet.


 

 

 

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