Merle Schnauzer,  gibt es sie wirklich?
 
Merle Schnauzer
 

Wer sich auf amerikanischen Schnauzer Seiten umschaut, wird gelegentlich auch auf Merle
Schnauzer treffen. Laut Information von Vera Felicia Clark, die seit vielen, vielen Jahren die
Entwicklung der Schnauzer in den USA verfolgt, gehören die Merle Schnauzer eher in die
Kategorie „Designer Hunde“ sprich hier wurde gezielt eine andere Rasse (nämlich den
Miniatur Australian Shepherd) eingekreuzt, um diesen Farbschlag zu erhalten. Und in der Tat,
die meisten dieser Schnauzer Merle Züchter haben noch andere Designerrassen im Angebot.

 


 
Mrs. Crystal Costopoulos soll die Merle Zucht 2006 begonnen haben, und sie macht aus
ihrem Zuchtprogramm kein Hehl. Der Züchterin kann man zu gute halten, dass sie diese
Einkreuzungen gemacht zu haben offen zugibt und diese auch dokumentiert hat, und nicht –
wie sonst üblich- das Zauberwort Mutation, das ja für so genannte Erbsprünge steht und somit
für alles herhält, was spontan neu auftritt, gebraucht. So züchtet sie unter dem Zwingernamen
„Designer Puppy’s“.
Nach ihren Angaben hat sie nach dem sie Merle Schnauzer aus den Mini Aussi Verpaarungen
erhalten hat, diese nur noch mit reinen Schnauzern weiterverpaart, um den Mini Aussi Typ
wieder rauszuzüchten.
 
Da der American Kennel Club (AKC) diesen Schnauzerhybrid nicht anerkennt und keine
Ahnentafeln für diese Nachzuchten ausstellt, haben die Merle Züchter den Merle Schnauzer
Club of America als zuchtbuchführenden Verein ins Leben gerufen. Nach neuesten
Informationen sollen nun erste Merle Schnauzer in die Schweiz und nach England exportiert
werden.
 
Welche Farben kommen treten nun durch den Merle Faktor beim Schnauzer auf?
 
Es gibt auch Merle Schecken; neben den Weizenfarbenen (Wheaton) kennt man auch
Wheaton Merle, Liver & Pepper Merle, Liver & Tan Merle, Chocolate Merle, Silver Merle,
Salt & Pepper Merle, Black &Silver Merle und der uns allen bekannte Farbschlag Blue Merle.
Die brindle farbenen Schnauzer sollen aus dem Kreuzungsprogramm mit Pomeranians
stammen.
 
Genetik  


Das Merle ist auf ein Gen (Merle-Gen) im Erbgut des Hundes zurückzuführen. Es ist eine
Mutation des Silver-Locus-Gens (Pmel17), das sich beim Haushund auf Chromosom CFA10
befindet.
Das Merle-Gen hellt nur Eumelanin auf, während es Fellbereiche, in denen ausschließlich
Phäomelanin vorkommt, unverändert lässt.
Wenn man einen heterozygoten Träger des Merle-Gens mit einem Hund paart, der das Gen
nicht hat, sind statistisch 50 % Merle- und 50 % andersfarbige Welpen zu erwarten. In der
Praxis fallen normalerweise unter 50 % Merle-Welpen.

Gesundheitliche Auswirkungen der homozygoten Form 

Deutsche Dogge, die reinerbig für das Merle-Gen ist und dadurch eine Fehlbildung der Augen
aufweist.
Das -Gen wird intermediär vererbt. Hunde, die das Gen nur einmal aufweisen, also Merle
heterozygot sind, sind meist gesund. Das Merle-Gen führt neben einem größeren Weißanteil
im Fell in einigen Fällen zu Fehlbildungen des Innenohrs mit Taubheit. Bei reinerbigen
(homozygoten) Tieren sind 10 % einseitig und 15 % auf beiden Ohren taub. Von den
mischerbigen Tieren sind 2,7 % einseitig, 0,9 % vollständig taub. Es können vor allem bei
homozygoten Tieren auch Fehlbildungen der Augen auftreten. Betroffene Tiere können in der
Entwicklung hinter Wurfgeschwistern zurückbleiben, eine verminderte Lebensfreude zeigen
und sterben manchmal vor der Geschlechtsreife.
Aus Tierschutzgründen ist daher die Verpaarung zweier Träger des Merle-Faktors nicht zu
empfehlen. Die gezielte Zucht mit einem Gendefekt aus rein ästhetischen Beweggründen ist
stark umstritten. Im „Gutachten zur Auslegung von §11 des Tierschutzgesetzes (Verbot von
Qualzuchten)“ (BMELV) wird generell die Empfehlung ausgesprochen auf die Zucht mit dem
Merle-Gen zu verzichten.

Noch ein paar allgemeine Informationen über die Farbe des Pigments, der Nasen- und
Augenfarbe im Zusammenhang mit dem Haarkleid und des Erbganges alle Rassen
betreffend:

 
Die Farbe des Pigments in den Fußballen stimmt meist mit jenen der Nase überein. Sie
können von Zehe zu Zehe variieren, doch sind sie gewöhnlich pigmentiert, sofern die Zehe
nicht weiß ist. Die Nägel sind dabei entweder weiß oder farbig.
 
Die Nasenfarbe der Hunde wird wie folgt unterschieden:
- schwarze Nase, bei Hunden mit einem Gen für schwarze Fellfarbe (auch ohne
Schwarz im Fell)
- braune Nase, bei braunen Hunden (ohne ein Schwarz bewirkendes Gen)
- braun-schwarze Nase, auch als „Wechselnase“ bekannt
- rosa Nase (totaler Pigmentverlust);
 
Zur Nasenspiegelfärbung:
- schwarz oder blau
-braun oder beige
- rötlich (der äußerst seltene beige Nasenspiegel kann mit dem rötlichen verwechselt werden,
wenn die Haarfarbe nicht jeden Zweifel beseitigt)
- rosa (totaler Pigmentverlust)
Der rötliche Nasenspiegel entsteht durch völligen Wegfall des Eumelanins in folge von „ee“.
Er geht daher stets Hand in Hand mit „falb“.
 
Die Vererbung der Augenfarbe erfolgt unabhängig von der Vererbung der Haarfarben.
Bestimmte Haarfarbgene können jedoch zusätzlich die Augenfarbe beeinflussen. So führt
homozygotes (=reinerbiges) Blau (dd) der Fellfarbe zu rauchgrauen Augen (smokey eyes),
während cc und cbcb die albonitisch blauen Augen hervorruft, merle M hingegen scheint
verantwortlich zu sein für die sogenannten „Glasaugen“ (wichtig: blauen Augen haben nichts
mit Glasaugen zu tun).


Leider steht mir zur Zeit kein brauchbares Bildmaterial zur Verfügung, um Ihnen den
Unterschied zwischen blauen Augen und Glasaugen zu zeigen. Ich denke aber, dass
Glasaugen dann auftreten, wenn Merle und Verdünnungsfaktor aufeinander treffen.
 
Zusammenfassend


So sollte und darf man nicht verpaaren!
Merle x Merle Verpaarungen sind in Deutschland aus bereits zuvor dargelegten Gründen
tierschutzrechtlichen Gründen gesetzlich verboten; auch sollte man auf Merle und
Merlegenträger Verpaarungen komplett verzichten.
Wenn zwei Merle-Hunde verpaart werden, entstehen durchschnittlich ein viertel der Welpen
als doppelte Merle. Ein gewisser Prozentsatz dieser doppelten Merle können Augendefekte
und/oder Gehörprobleme haben. Nur Merle mit normalfarbigen Hunden verpaaren! Dann
entstehen auch keine Augen- und Ohrendefekte! Züchter, die Kenntnisse über Merle haben
und diese züchten möchten, verpaaren Merle-Hunde nur mit normalfarbigen Hunden.
Ungefähr die Hälfte der Welpen sind dann Merlefarben ohne dass die Gefahr von Augen- und
Ohrendefekten besteht.


Text: Christine Andres

 

 

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